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Kraft- und Mutmachwort Oktober «MUT»

infolebensereignis
vor 7 Stunden
4 Min. Lesezeit

…für all die kleinen und grossen Schritte im Leben


Hast du gewusst?

Im Wort ARMUT steckt das Wort MUT.

Das Wort Armut wird normalerweise mit Mangel verbunden: mit dem, was fehlt, was nicht da ist, was einem genommen wurde.

Und mitten in diesem Wort steht MUT.

 

Das lässt sich sehr schön als inneres Bild lesen:

Auch wenn mir etwas fehlt, auch wenn ich mich schwach fühle, auch wenn ich gerade nicht weiss, was kommt – in mir ist MUT.

 

Ich muss nicht „reich an Kraft“ sein. Ich muss nicht ständig zuversichtlich sein. Vielleicht fühle ich mich manchmal sogar arm an Energie, arm an Gewissheit, arm an Sicherheit und arm an Möglichkeiten.

Und trotzdem ist da etwas in mir, das mich den nächsten Schritt gehen lässt.

 



Mein Kraftwort für den Oktober ist MUT.

Ein kleines Wort. Drei Buchstaben. Und doch steckt so viel darin.

In den letzten Wochen habe ich immer wieder darüber nachgedacht, was es bedeutet, mutig zu sein.

 

Vielleicht auch deshalb, weil ich ein weiteres Mal die wunderbaren historischen Romane von Rebecca Gablé gelesen habe, deren Helden der englischen Adelsfamilie Waringham angehören. Ihre Geschichten führen durch die Jahrhunderte von etwa 1000 bis 1500.

Die Waringhams besitzen unter anderen Gaben eine sogenannte „lockere Zunge“, die die Lords über Generationen mehr als einmal in den Tower bringt – unter Androhung des Todes am Galgen.

Immer wieder geriet ich beim Lesen ins Staunen über diese „lockere Zunge“. Denn sie geht einher mit dem Mut zur Wahrheit: mit dem Mut, diese Wahrheit auszusprechen – trotz aller Widrigkeiten und manchmal sogar trotz der Androhung, das eigene Leben zu verlieren.

 

Vielleicht denke ich aber auch deshalb gerade so viel über Mut nach, weil ich selbst in einer Lebensphase bin, in der einiges ungewiss ist.

Untersuchungen stehen an, eine Operation wird auf mich zukommen, und natürlich gehen einem dabei – vor allem aufgrund bereits einschlägiger Erfahrungen – viele Gedanken durch den Kopf.

Was wird sein? Wie wird es werden? Was kommt auf mich zu?

 

Und dabei ist mir etwas bewusst geworden:

Mut brauchen wir nicht nur für die grossen Dinge im Leben.

 

Wir denken bei Mut vielleicht zuerst an etwas Aussergewöhnliches. An jemanden, der über sich hinauswächst, eine schwierige Situation meistert oder etwas wagt, vor dem andere zurückschrecken.

So wie zum Beispiel die Superhelden in den Actionfilmen.

 

Aber wenn ich genauer hinschaue, begegnet mir Mut eigentlich jeden Tag.

Nicht dieser spektakuläre, reisserische Mut, sondern der leise, ehrliche Mut.

Denn vielleicht braucht es heute Mut für ein Gespräch, das wir schon lange vor uns herschieben.

Mut für eine Begegnung, bei der wir nicht wissen, was sie mit uns macht.

Mut für eine Auseinandersetzung, in der wir zu unserer Meinung stehen .

Mut für ein klares Nein.

Oder für ein ehrliches Ja.

Mut, eine Grenze zu setzen.

Mut, sich zu entschuldigen.

Mut, zuzugeben: „Ich weiss es gerade nicht.“

Und manchmal braucht es sogar Mut, zu sagen: „Ich brauche Hilfe.“

 

Vielleicht ist Mut viel alltäglicher, als wir denken.

 

Mut bedeutet nicht, keine Angst zu haben.

Ich glaube sogar, Mut kann bedeuten, dass die Angst da sein darf – und ich trotzdem einen Schritt weitergehe.

Ich habe Angst. Und trotzdem gehe ich.

 

Und vielleicht ist genau das Mut: nicht darauf zu warten, dass die Angst verschwindet, sondern den Schritt in und mit dieser Angst zu machen.

 

Ich kann unsicher sein und trotzdem handeln.

Ich kann nicht wissen, was kommt, und mich trotzdem darauf einlassen.

Ich kann mich verletzlich fühlen und trotzdem ehrlich sein.

Vielleicht müssen wir nicht immer den ganzen Weg kennen.

Vielleicht müssen wir auch nicht erst angstfrei werden, um loszugehen.

Vielleicht brauchen wir nur den Mut für den nächsten, vielleicht noch so kleinen Schritt.

Nicht ohne Angst. Sondern mit ihr.

Und vielleicht ist genau das mutig.

 

Wenn ich meinen Oktober unter dieses Wort stelle, möchte ich mich deshalb nicht jeden Morgen fragen: „Bin ich heute mutig genug?“

 

Vielleicht ist eine andere Frage viel hilfreicher:

„Wo brauche ich heute ein wenig Mut?“

Für ein Gespräch.

Für eine Entscheidung.

Für einen Abschied.

Für einen Neuanfang.

Vielleicht dafür, eine Grenze zu setzen.

Vielleicht dafür, Hilfe anzunehmen.

Oder einfach dafür, den heutigen Tag so anzunehmen, wie er gerade ist.


Denn wir wissen nie genau, welche kleinen oder grossen Lebensereignisse uns begegnen werden.

Aber wir können uns immer wieder daran erinnern, dass wir ihnen nicht vollkommen vorbereitet begegnen müssen.

 

Manchmal reicht es, den nächsten Schritt zu gehen.

Und dann den nächsten.

Und vielleicht noch einen.

 

Ich wünsche mir für diesen Monat keinen grossen, lauten Mut.

Ich wünsche mir den leisen Mut.

Den Mut, ehrlich zu sein.

Den Mut, mich zu zeigen.

Den Mut, Grenzen zu setzen.

Den Mut, mich berühren zu lassen.

Den Mut, Hilfe anzunehmen.

Den Mut, auch einmal nicht stark sein zu müssen.

Und den Mut, darauf zu vertrauen, dass ich den nächsten Schritt gehen kann, wenn er ansteht.


Vielleicht geht es im Leben gar nicht darum, immer mutig zu sein.

Vielleicht geht es vielmehr darum, immer wieder Mut zu finden, wenn wir ihn brauchen.

Und vielleicht ist er längst da.

Ganz leise.

Mitten in uns.

Und vielleicht sind wir viel öfter Superhelden, als wir denken.

Nur eben ohne Umhang.

Vielleicht brauchen wir auch gar keine Superkräfte...

...sondern nur den Mut, Mensch zu sein.



 

 

TIPP

Mein Kraftwort für den Oktober ist MUT.

 

Welcher kleine oder grosse Schritt braucht bei dir im Moment Mut?

Und was könnte dir Mut machen, wenn es gerade schwierig ist?


Vielleicht ist es nur ein kleiner Satz, zum Beispiel:

Ich muss nicht den ganzen Weg kennen. Ich brauche nur Mut für den nächsten Schritt.

 

 

 

📚 Lesetipp

Rebecca Gablé – die Waringham-Saga

Wer historische Romane liebt, dem möchte ich die Waringham-Romane von Rebecca Gablé empfehlen. Ich habe die Geschichten rund um die englische Adelsfamilie Waringham schon mehrmals gelesen und tauche immer wieder gerne in diese vergangene Welt ein.

Besonders fasziniert mich die „lockere Zunge“ der Waringhams – und der Mut, die eigene Wahrheit auszusprechen, selbst wenn das Konsequenzen haben kann.

Und genau das war auch einer der Gedanken, die mich

zu meinem Oktober-Kraftwort geführt haben: MUT.


 

 
 
 

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