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Kraft- und Mutmachwort für den Juni: Staunen

  • infolebensereignis
  • 1. Juni
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 6. Juni

goldener Mohn aus Kalifornien blüht in unserem Garten


„Werde wieder wie ein staunendes Kind, das die Welt entdeckt. Jeden Augenblick neu.“

Aus Tibet



Hast du gewusst?

Den ganzen Mai über habe ich immer wieder voller Staunen die blühende Natur fotografiert — in unserem Garten oder unterwegs. Überall gab es Momente des Innehaltens, in denen ich versucht habe, diese blühende Pracht mit meiner Handykamera einzufangen.


Mitten in diese Zeit des Staunens hinein legte mir eine liebe Freundin ein Buch in unseren Milchkasten. Sie dachte, es könnte mich interessieren, weil ich immer wieder Beerdigungen gestalte und Menschen in ihrer Trauer begleite.


Das Buch stammt von Thomas Gröbly und trägt den Titel „einen Augenblick staunen“.

Thomas Gröbly lebt ebenfalls in Baden. Vor vielen Jahren sind wir uns schon einmal begegnet — er als reformierter Theologe, ich von katholischer Seite. An den genauen Anlass erinnere ich mich nicht mehr. Und doch hinterlassen manche Begegnungen Spuren.

Beim Lesen seines Buches, regten viele seiner Gedankengänge auch mich an, vertiefter darüber nachzudenken.



Wenn Krankheit den Blick verändert

Thomas Gröbly ist ein spannender Mensch: gelernter Bauer, reformierter Theologe, Ethiker und langjähriger Dozent für Ethik und Nachhaltigkeit. Seit vielen Jahren leitet er das Ethik-Labor in Baden und schreibt Gedichte über das Leben, das Menschsein und unsere Beziehung zur Welt.


Im Frühling 2016 erhielt er die Diagnose ALS — Amyotrophe Lateralsklerose.

Eine Krankheit, die das Leben radikal verändert.

Und gleichzeitig den Blick auf das Wesentliche schärfen kann.


Als Leserin nimmt er mich mit und zeigt mir, wie sehr ihn seine Krankheit dazu gebracht hat, über Beziehungen nachzudenken: über die Verbindung zwischen Menschen, zwischen allen Lebewesen und der Natur.

Er schreibt, dass seine eigene Schwäche und Hilfsbedürftigkeit ihn erkennen lassen, wie abhängig wir alle voneinander sind.


Seine Gedanken haben auch mich nachdenklich gemacht.

Was trägt wirklich durchs Leben?

Was bleibt, wenn vieles Äussere an Bedeutung verliert?


Vielleicht berührt mich das auch deshalb so sehr, weil auch ich immer wieder Menschen an den Schwellen des Lebens begleite — im Abschied, in der Trauer, im Sterben. Dort verlieren materielle Dinge plötzlich an Bedeutung. Vieles, das vorher wichtig erschien, wird still.


Die Welt mit Kinderaugen sehen

Im Sommer 2020 wurde Thomas Gröbly Grossvater.

Sein Enkel brachte nochmals eine neue Perspektive in sein Leben.

Kinder staunen über alles. Sie betrachten die Welt nicht als selbstverständlich — sie entdecken sie.


Vielleicht haben wir Erwachsenen genau das ein Stück weit verloren.

Wir glauben oft, alles kontrollieren, planen oder kaufen zu können. Totes Geld wird zum Zugang für beinahe alles Lebenswichtige. Doch echtes Vertrauen, Geborgenheit oder innere Ruhe lassen sich nicht kaufen.

„Kein technischer Fortschritt und keine noch so intelligente Technologie können mir helfen, Ängste abzubauen oder zu lernen, wie Vertrauen entsteht“, schreibt er in seinem Buch. Wie wahr!


Kinder hingegen zeigen es uns jeden Tag. Mit diesem Urvertrauen, das jedem Kind in die Wiege gelegt wird, machen sie sich auf ins Leben — staunend und be-greifend.


Staunen verändert den Blick

Schwere Krankheiten machen die Welt kleiner. Sie begrenzen Möglichkeiten und Kräfte.

Und doch liegt darin auch eine Einladung: nicht nur auf das zu schauen, was nicht mehr geht, sondern auf das, was trotzdem noch möglich ist. Könnten wir doch dieser Einladung auch als gesunde Menschen folgen.


Staunen verändert unseren Blick.

Es hilft uns, achtsamer zu werden. Dankbarer. Verbundener mit dem Leben.

Vielleicht braucht unsere Welt heute genau das wieder mehr: Menschen, die nicht nur bewerten und funktionieren, sondern ihr Leben staunend entdecken.


Darum mein Mutmachwort für den Juni

Für diesen Juni wünsche ich dir:

Momente, in denen du innehältst.

Momente, in denen du wieder entdeckst, was längst da ist.

Momente, die dein Herz berühren.

Einfach viele Momente des Staunens …




TIPP:


THOMAS GRÖBLY


einen Augenblick staunen


Variationen über Sterben, Nachhaltigkeit und

friedfertiges Leben.


ISBN 978-3-03881-009-4











 
 
 

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