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Kirchliche Hochzeit oder freie Trauzeremonie – verschiedene Wege zum Ja

  • infolebensereignis
  • 29. Juni 2025
  • 4 Min. Lesezeit

Wusstest du schon? Fast jedes zweite Paar in der Schweiz entscheidet sich heute für eine freie Trauung. Was auf den ersten Blick wie ein moderner Trend wirkt, ist in Wahrheit oft Ausdruck einer bewussten Entscheidung – für persönliche Worte, eigene Rituale und eine Feier, die wirklich zum Paar passt. Doch was bedeutet das konkret – kirchlich oder frei? Und geht bei einer freien Zeremonie nicht etwas verloren?

 

Eine Feier zwischen Religion und Spiritualität

Die kirchliche Trauung ist für viele Paare tief mit ihrer Herkunft verbunden. Sie bietet einen festlichen Rahmen, eine vertraute Liturgie, einen religiösen Halt. Demgegenüber steht die freie Hochzeitszeremonie. Frei – nicht im Sinne von „beliebig“, sondern im Sinne von „individuell gestaltbar“. Ohne formale Vorgaben, aber getragen von den Werten, die das Paar verbindet. Und sie kann durchaus in einen spirituellen Rahmen eingebunden sein.

Die kirchliche Trauung – mehr als ein feierlicher Rahmen

In der katholischen Kirche ist die Ehe eines der sieben Sakramente. Das bedeutet: Sie ist nicht nur ein Versprechen zwischen zwei Menschen, sondern ein heiliger Bund – ein sichtbares Zeichen der unsichtbaren Gegenwart Gottes. Ein Sakrament ist in der katholischen Tradition immer mehr als eine symbolische Handlung. Es wird verstanden als eine wirkkräftige Begegnung zwischen Gott und Mensch. Im Sakrament der Ehe bedeutet das: In dem Augenblick, in dem zwei Menschen einander die Liebe versprechen, ist dies auch ein Moment göttlicher Gegenwart. Darum werden die Sakramente „heilig“ genannt.

Das Paar spendet sich dieses Sakrament gegenseitig – durch ihr Ja-Wort. Die Kirche begleitet diesen Akt mit Gebet, Segen und Liturgie. In diesem Verständnis ist die Ehe nicht nur privat, sondern eingebettet in den Glauben und die Gemeinschaft der Kirche.

In der reformierten Kirche wird die Trauung meist nicht als Sakrament verstanden, sondern als gottesdienstliche Feier anlässlich einer Eheschliessung. Auch hier stehen Segensworte, Gebet und Musik im Zentrum – allerdings ohne sakramentalen Anspruch. Dennoch ist auch hier die Feier Ausdruck von Dankbarkeit, Verbindlichkeit und göttlicher Begleitung.


Was ist mit der freien Trauung?

Eine freie Zeremonie ist keine „Trauung light“. Sie lädt dazu ein, bewusst zu gestalten, was dem Brautpaar wichtig ist. Ohne Vorgaben – aber mit viel Bedeutung. Immer mehr Paare wünschen sich eine Zeremonie, die ihre eigene Geschichte erzählt – ohne vorgegebene Liturgie, aber mit viel Gefühl.

Eine freie Trauung ermöglicht genau das: Raum für persönliche Worte, eigene Rituale, Musik nach individuellem Geschmack, Beiträge von Freunden oder der Familie. Sie beginnt bei "null". Kein vorgeschriebenes Ritual, kein festgelegter Wortlaut. Alles ist möglich. Und genau das ist ihre Stärke – aber auch ihre Herausforderung.

Denn was sich so frei anfühlt, braucht dennoch Tiefe und Sinn. Es geht schliesslich um den sozusagen «wichtigsten Tag im Leben zweier Menschen» – um eine Zeremonie, in der diese zwei Menschen sich entscheiden, von nun an gemeinsam durchs Leben zu gehen.

Gerade weil die freie Trauung nicht an kirchliche Vorgaben gebunden ist, lädt sie dazu ein, innezuhalten und ganz bewusst Ja zu sagen – zueinander, zum Leben und zu dem, was trägt. Sie kann spirituell sein, schlicht und persönlich, aber voller Bedeutung.

Eine freie Trauung eignet sich für gleichgeschlechtliche, geschiedene, konfessionsverschiedene Paare, für Menschen ohne religiöse Zugehörigkeit oder für jene, die Spiritualität auf ihre eigene Weise leben. Die Zeremonie kann unter freiem Himmel stattfinden, auf einer Waldlichtung, am Seeufer oder im eigenen Garten – immer dort, wo das Herz zu Hause ist.


Was beide verbindet

Ob mit Pfarrer*in oder freier Redner*in – im Zentrum steht immer das Paar und ihr Versprechen aneinander. Beide Formen können feierlich, tiefgründig und emotional sein. Beide können Rituale enthalten, Symbole, Texte und Musik, die Bedeutung schaffen.


Für mich wichtig: eine freie Trauung – echt, tief und feierlich

Auch in einer freien Zeremonie kann das „Ja“ zu etwas Heiligem werden – nicht durch ein Sakrament im kirchlichen Sinn, sondern durch die Tiefe, mit der zwei Menschen sich einander versprechen. Hier entsteht keine sakramentale Verbindung vor Gott und Kirche, aber sehr wohl ein Raum des Vertrauens, der Verbindlichkeit, der Liebe. Ein Raum, in dem Worte Gewicht bekommen. In dem Rituale Bedeutung schaffen.

Für mich ist es wichtig, dass die Feier mehr ist als „ein schöner Moment“. Ich wünsche mir für das Brautpaar eine Tiefe die trägt. Etwas, das sie innerlich bewegt – und vielleicht auch ihre Gäste berührt.

Ich verstehe meine Aufgabe als freie Rednerin darin, Worte zu finden für die Lebens- und Liebesgeschichte zweier Menschen – und dazu Rituale für jene Momente, in denen Worte fehlen oder es keine braucht. Daraus entsteht eine Feier, die ernst nimmt, was geschieht: ein Ja zum gemeinsamen Leben.

Es ist mir wichtig zu zeigen: Wenn der Moment getragen wird von Ehrlichkeit, Liebe und Verbundenheit – dann entsteht etwas, das bleibt.


Am Ende zählt das Echte

Ob kirchlich oder frei – am Ende geht es nicht darum, wo gefeiert wird, sondern wie. Ob in einer Kapelle mit Orgelklängen oder im Garten unter freiem Himmel: Entscheidend ist, dass das, was gefeiert wird, nicht nur schön aussieht, sondern innen spürbar ist.

Mit Respekt. Mit Tiefe. Mit einem offenen Herzen. Denn Liebe braucht keinen vorgeschriebenen Rahmen – aber sie verdient einen Raum, in dem sie gewürdigt wird.

 

 

Tipp:

Nimm dir – gemeinsam oder allein – einen Moment Zeit und frage dich: Was bedeutet es für mich, „Ja“ zu sagen? Zu einem Menschen, zu einem gemeinsamen Weg, zu mir selbst? Eine solche Frage ist nicht nur für eine Trauung wichtig – sondern für jeden noch so kleinen Neuanfang im Leben.

 
 
 

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