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Die Erde als Schwester – Schöpfung neu entdecken

  • infolebensereignis
  • 29. Aug. 2025
  • 4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 5. Sept. 2025

Kalifornischer Goldmohn in unserem Garten
Kalifornischer Goldmohn in unserem Garten

Hast du gewusst, dass das Wort Schöpfung heute gar nicht mehr allen vertraut ist?

Für manche klingt es nach alten Geschichten, nach Bibel und Religion. Andere hören darin den Ursprung von Natur und Leben. Wieder andere denken an das, was wir selbst erschaffen – ein Bild, ein Kleidungsstück, einen Garten.

So trägt dieses Wort viele Bedeutungen in sich: Anfang, Ursprung, Kreativität, Staunen. Und vielleicht liegt gerade darin seine Kraft – weil es uns einlädt, neu hinzuschauen, wo Leben entsteht und wo wir selbst schöpferisch tätig werden.






Den Garten betritt man nicht mit den Füssen, sondern mit dem Herzen

Der September ist eine Zeit des Übergangs. Die Tage werden kürzer, das Licht weicher, die Luft kühler. Obstgärten hängen voll reifer Früchte, Felder sind abgeerntet, und das Laub beginnt, sich zu färben. Die Natur selbst feiert ihren Erntemonat – mit Gold, Rot und sattem Grün, mit Duft nach Erde und Holz. Wer bewusst hinschaut, spürt: Das ist mehr als ein schöner Anblick. Es ist ein stiller Ruf, innezuhalten und dankbar zu sein.

Das ganze Jahr über mache ich in unserem Garten Fotos, von Blumen, Blüten, Bäumen, Früchten, Gemüse, Tieren. Das Wachsen, Blühen und das Leben im Garten liegen mir am Herzen. Immer wieder komme ich ins Staunen über das, was ohne mein grosses Zutun wächst und blüht. Wenn ich mit wachen Augen unterwegs bin, kann ich die kleinen und grossen Wunder der Natur jeden Tag neu entdecken.

Unser Garten ist eine kleine grüne Oase des Friedens und der heilen Welt. Ein Ort, an dem ich spüren darf, wie eng Leben und Lebendigkeit miteinander verbunden sind. Hier wird mir bewusst: Schöpfung ist nichts Abstraktes, sondern etwas ganz Konkretes, das vor meinen Augen geschieht.


Doch wenn ich hinausschaue in die Welt, sozusagen über den Gartenzaun, dann sehe ich nicht nur Blühen und Gedeihen, sondern auch andere Wirklichkeiten: Abholzung, Verschmutzung, Ausbeutung, Krieg. Es ist, als ob die heile Welt des Gartens mich daran erinnert, wie zerbrechlich das grosse Ganze ist. Und es tut mir weh. Ich fühle mich ohnmächtig und machtlos!

 

Schöpfungszeit – ein besonderer Zeitraum für unsere Erde

Genau hier setzt die Schöpfungszeit an – ein Zeitraum, der uns einlädt, bewusster hinzusehen, dankbarer zu werden und mit unseren je eigenen Möglichkeiten Verantwortung zu übernehmen für die Erde, die unser aller Zuhause ist.

Die Schöpfungszeit beginnt am 1. September mit dem Weltgebetstag für die Bewahrung der Schöpfung und endet am 4. Oktober, dem Gedenktag des heiligen Franz von Assisi. Sie ist ökumenisch, das heisst: Sie wird von vielen verschiedenen Kirchen getragen. Doch sie ist mehr als ein kirchlicher Brauch. Sie lädt uns alle ein – unabhängig von Glauben oder Konfession – jede einzelne, jeden einzelnen von uns Menschen!

Besonders eindrücklich ist, dass dieser Zeitraum am Fest des heiligen Franziskus endet. Er ist einer der grossen Heiligen in der katholischen Kirche und war ein Mensch, der in tiefer Verbundenheit mit der Natur lebte. Man erzählt sich, dass er sogar mit den Tieren sprechen konnte. Franziskus von Assisi war in vielem seiner Zeit voraus. In seinem Sonnengesang nannte er Sonne und Mond, Wind und Wasser Bruder und Schwester. Damit brachte er eine Haltung zum Ausdruck, die uns bis heute berührt – und uns zugleich erinnert: Wir sind Teil eines grossen Ganzen.

 

Schamanismus – eine uralte Brücke zwischen Mensch und Natur

Ob in der mittelalterlichen Spiritualität oder in den ältesten Traditionen der Menschheit – überall finden wir diese Sprache der Verbundenheit. Die Haltung von Franziskus erinnert an die Sicht vieler Naturvölker. Auch sie nannten die Erde Mutter und sahen Sonne, Mond, Wind oder Feuer als Geschwister. Dahinter stand keine romantische Vorstellung, sondern eine tiefe Dankbarkeit und Ehrfurcht.

Schamanismus zum Beispiel, ist eine der ältesten spirituellen Praktiken der Menschheit – älter als organisierte Religionen, älter als Tempel oder Kirchen. Seine Wurzeln reichen zehntausende Jahre zurück und finden sich in nahezu allen Kulturen der Erde, von den sibirischen Steppen bis zu den Wäldern Amazoniens.

Im Zentrum des Schamanismus steht die Vorstellung, dass alles in der Welt – Menschen, Tiere, Pflanzen, Steine, Flüsse, Berge – beseelt ist. Alles ist miteinander verbunden und Teil eines grossen Netzwerks des Lebens. Schamaninnen und Schamanen sehen sich als Mittlerinnen zwischen diesen sichtbaren und unsichtbaren Welten. Ihre Aufgabe war es, Heilung zu bringen, Gemeinschaften zu schützen und Menschen in Zeiten der Unsicherheit zu begleiten.

 

Ein zentrales Element ist die Dankbarkeit gegenüber der Natur

Schamanische Rituale ehren die Elemente – Erde, Wasser, Feuer, Luft – und erkennen an, dass das menschliche Leben von ihnen abhängt. Diese Rituale sind oft einfach, aber tiefgehend: eine Handvoll Erde in den Händen halten, Wasser besprenkeln, Rauch aufsteigen lassen, um Gebete und Wünsche in den Himmel zu tragen.

Auch für Christinnen und Christen, für alle Menschen mit oder ohne Religion, können solche einfachen Rituale eine Einladung sein, die Verbindung zur Natur bewusster zu leben. Sie erinnern uns daran, dass wir nicht getrennt von der Erde existieren, sondern mitten in ihrem Herzschlag leben.

 

Dankbarkeitskreis: Jede Person nimmt einen Naturgegenstand (Stein, Blatt, Blüte) und spricht einen kurzen Dank an die Erde aus. Die Gegenstände werden in die Mitte gelegt und später an den Ort zurückgebracht, von dem sie stammen.

 

Rauchopfer (Räucherung): Mit getrockneten Kräutern (z. B. Salbei, Wacholder, Beifuß) wird ein kleiner Kreis geräuchert, um Altes loszulassen und Neues zu begrüssen.

 

Wassersegnung: Gemeinsam zu einem Bach oder See gehen, eine Handvoll Wasser schöpfen, in Stille halten, ein Segenswort sprechen und das Wasser zurückgeben.

 

So begegnen sich in den Bildern von Franziskus und in den Überlieferungen der Naturvölker zwei verschiedene Traditionen – und doch sprechen beide dieselbe Sprache. Eine Sprache der Verbundenheit, des Respekts und der Verantwortung für unsere Erde, unsere Schöpfung, unsere Welt. Sie erinnert uns auch daran, dass wir Menschen nicht über der Natur stehen, sondern Teil von ihr sind.

 

 

Tipp:

Vielleicht ist genau jetzt die Zeit, ein Fest unter freiem Himmel zu planen. Ein Picknick mit Freunden, eine kleine Dankesfeier im Garten, ein stiller Moment am Wasser. Die Natur ist bereit, ihre Türen zu öffnen und dich als Gast zu empfangen.

Wann hast du das letzte Mal ein Fest gefeiert, bei dem die Natur selbst Gastgeberin war?



Schreibe mir per E-Mail info.lebensereignisse@gmail.com, falls du informiert werden möchtest, wenn ein neuer Blogartikel erscheint. Gerne nehme ich auch Anregungen entgegen.

 
 
 

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