Abschied. Trauer. Hoffnung.
- infolebensereignis
- 22. Juli 2025
- 5 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 12. Aug. 2025
Du bist gegangen – was bleibt, ist tiefe Trauer und unzählige Erinnerungen.

Hast du schon gewusst?
Trauer ist eine natürliche Reaktion auf Verlust – sei es der Tod eines geliebten Menschen, der Verlust eines Arbeitsplatzes oder ein anderer einschneidender Einschnitt im Leben. Sie geht oft mit intensiven Gefühlen einher: Traurigkeit, Schmerz, Ohnmacht. Trauer ist ein individueller Prozess des Abschieds und der Verarbeitung. Sie braucht Zeit, Geduld – und manchmal auch Unterstützung.
Vom Abschiednehmen
Einen geliebten Menschen loszulassen, bedeutet nicht nur, sich von ihm zu trennen, sondern auch, seinen Tod anzuerkennen. Manchmal kündigt sich dieser Abschied an – durch Krankheit oder ein hohes Alter. Doch manchmal kommt er, wie ich selbst erfahren musste, plötzlich und viel zu früh. Und manchmal trifft er uns dort, wo es am meisten weh tut – wenn Kinder gehen.
Das Abschiednehmen ist Teil des Trauerprozesses. Es hilft, den Verlust zu begreifen, ihn in das eigene Leben zu integrieren und nach und nach wieder Boden unter den Füssen zu finden.
Der Tod eines nahestehenden Menschen versetzt viele zunächst in einen Schockzustand. Trauer legt sich schwer auf das Herz – und das Loslassen fällt schwer. Manchmal braucht es Wochen, Monate oder Jahre, um sich wirklich verabschieden zu können. Jede Trauer verläuft anders, doch für viele ist es heilsam, bewusst Abschied zu nehmen: sich Zeit zu nehmen, sich zu erinnern, zu weinen – und irgendwann weiterzugehen.
Abschied bedeutet, sich mit dem Leben des Verstorbenen zu beschäftigen, aber auch mit dem eigenen Leben, das weitergeht. Erinnerungen können dabei ebenso tröstlich wie schmerzhaft sein. Und doch: Beides – das Erinnern und das Akzeptieren – gehört zur Trauer und ist ein Schritt auf dem Weg zur Heilung.
Ein wichtiger Teil dieses Weges kann die Trauerfeier und Beerdigung sein. Sie machen den Verlust greifbar. Zugleich bieten sie einen Raum, um gemeinsam mit Familie, Freunden, Bekannten und Wegbegleitenden innezuhalten, zu ehren, loszulassen. In diesem Moment übergibt man auch den Verstorbenen der Erde – und mit ihm, und auch das aus eigener Erfahrung, immer einen Teil von sich selbst und von der eigenen Trauer.
"Du bist nicht mehr da, wo du warst, aber du bist überall dort, wo wir sind."
Victor Hugo
Trauer hat viele Gesichter
Trauer ist kein geradliniger Prozess. Sie kommt in Wellen, mal sanft, mal überwältigend. Sie hat kein festes Ende, sondern wandelt sich – so wie auch wir uns wandeln.
Trauer zeigt sich nicht nur in Tränen, denn nicht alle Menschen können weinen. Manche Menschen ziehen sich zurück, brauchen Zeit für sich, andere suchen das Gespräch. Wieder andere spüren Verzweiflung, Schock, Wut, aber auch Erleichterung oder Hoffnung.
Bei einigen Menschen zeigen sich körperliche Symptome wie Müdigkeit oder innere Unruhe, Herzrasen, Kurzatmigkeit, Schlafstörungen, Müdigkeit oder Magenbeschwerden. Andere funktionieren scheinbar „ganz normal“ weiter. Es gibt kein Richtig oder Falsch im Trauern – und keine feste Zeitspanne, in der man „darüber hinweg“ sein sollte. Jeder Mensch muss und wird seinen eigenen Weg finden.
Die schweizerisch-US-amerikanische Ärztin Elisabeth Kübler-Ross hat in ihrem Lebenswerk unermüdlich über Sterben, Tod und Trauer geforscht. Besonders bekannt wurde ihr Modell der fünf Phasen der Trauer, das bis heute vielen Menschen hilft, das eigene Erleben besser zu verstehen. Es wurde ursprünglich für Sterbende formuliert, aber auch für trauernde Angehörige ist es von grosser Bedeutung: Leugnen, Wut, Verhandeln, Depression und schliesslich Akzeptanz. Auch wenn nicht jeder diese Phasen gleich erlebt, helfen sie, dass oft so chaotische Gefühlschaos besser zu verstehen. Abschiednehmen ist kein geradliniger Weg – es ist ein Auf und Ab, oft ein Hin und Her zwischen Loslassen und Festhalten, ein Prozess, in dem wir versuchen, das Unfassbare zu begreifen und damit zu leben.
Menschen in der Trauer zu begleiten bedeutet, bei ihnen zu sein, ihnen die Möglichkeit zu geben, zu trauern. Es ist wichtig, dass ihre Geschichte gehört wird. Dass sie unterstützt werden und nicht beurteilt. Dass sie nicht Klischees anhören müssen, wie sie zu fühlen haben, oder ihre Trauer klein zu reden. Das Ziel ist nicht, dass es den Trauernden besser geht. Es geht darum, bei ihnen genau da zu sein, dort wo sie gerade sind, denn Trauer hat kein Ablaufdatum und seine ganz eigene Zeit.
"Die Leute fragen mich oft: Wie lang werde ich trauern? Meine Antwort ist: Wie gross war deine Liebe? Denn genau darin liegt die Antwort."
Patrick O'Malley, Psychotherapeut und verwaister Vater, Texas
Hoffnung im Schmerz
Kinder fragen: Warum müssen Menschen sterben? Wo gehen sie dann hin?
Was vom Körper eines Menschen übrig bleibt, wenn er gestorben ist, damit gehen wir behutsam um. Wir wählen bewusst aus, wo jemand bestattet werden soll – um einen besonderen Ort zu schaffen, mit dem sich unsere Erinnerungen verknüpfen können.
Aber was ein Mensch wirklich gewesen ist – dass er liebevoll war, dass er mit so vielen Menschen verbunden war –, das liegt nicht in einem Grab. Es bleibt an einem anderen Ort bewahrt: in den Herzen der Menschen, die ihn geliebt haben, und – so glauben wir Christinnen und Christen – im Licht und in der Liebe Gottes.
Wir glauben an ein Leben nach dem Tod. An ein Leben in Licht und Liebe. An ein Leben bei Gott. Viele Texte in der Bibel zeugen davon – und lassen uns hoffen: auf das ewige Leben, auf ein Wiedersehen.
Der Evangelist Johannes erzählt zum Beispiel von Maria Magdalena, die in tiefer Trauer um Jesus an sein Grab geht. Doch dort findet sie nur seine sorgsam zusammengelegten Leinentücher. Die Grabkammer ist leer – er ist auferstanden.
Für die Abdankungsfeier, die ich zurzeit vorbereite, habe ich diesen Bibeltext gewählt. Für mich ist er ein schönes Bild: Die sorgsam gefalteten Tücher erzählen von Hoffnung. Auch wir dürfen, wie die Jüngerinnen und Jünger damals, im Glauben an die Auferstehung getrost loslassen. Denn unsere Verstorbenen sind nicht mehr in der Dunkelheit des Grabes – sondern in Gottes Licht und Liebe, und in unseren Herzen zu Hause.
Trauer bedeutet nicht, dass alles dunkel bleibt. In der Erinnerung lebt die Verbindung weiter. In Ritualen kann ein Gefühl von Nähe entstehen, das trägt. Und manchmal – ganz leise – kehrt die Hoffnung zurück: und es entstehen Lichtblicke, neue Begegnungen, ein Leben, das trotz allem weitergeht.
Die Hoffnung kommt aber nicht mit Trompeten. Sie kommt barfuss. Leise. Und manchmal mitten in einer Träne.
„Was man tief in seinem Herzen besitzt, kann man nicht durch den Tod verlieren."
Johann Wolfgang von Goethe
Tipp:
Gestalte einen kleinen Erinnerungsort – vielleicht mit einem Foto, einer Kerze, einem Gegenstand, der dir viel bedeutet. Es muss nichts Grosses sein. Nur etwas, das sagt: Hier ist Platz für meine Erinnerung. Und für mein Herz.
Wenn du auf der Suche nach einer Begleitung bist – für eine Abdankung, eine stille Abschiedsfeier oder ein Ritual in kleiner Runde – melde dich gerne bei mir. Gerne bin ich an deiner Seite, höre zu und gestalte mit dir gemeinsam einen Moment, der trägt.
Schreibe mir per E-Mail info.lebensereignisse@gmail.com, falls du informiert werden möchtest, wenn ein neuer Blogartikel erscheint. Gerne nehme ich auch Anregungen entgegen.



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