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30 Jahre. Ein Weg. Und immer wieder JA.

  • infolebensereignis
  • 2. Juni 2025
  • 5 Min. Lesezeit

Tischdekoration
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Wie aus Verliebtsein Liebe wird...


Hast du gewusst? Der berühmteste Text über die Liebe steht in der Bibel. Verfasst vor über zweitausend Jahren – und bis heute gesprochen bei Hochzeiten, in Predigten und in Momenten der Suche nach dem, was Liebe eigentlich ist. Im ersten Brief an eine frühe christliche Gemeinschaft in Korinth beschreibt Paulus eine Liebe, die weit über das Verliebtsein hinausgeht: Eine Liebe, die trägt, aushält, vertraut. Nicht so sehr romantisch, sondern eher ehrlich, tief und herausfordernd.


„Die Liebe ist langmütig und freundlich, sie eifert nicht, sie prahlt nicht, sie bläht sich nicht auf […] sie erträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie duldet alles.“ (1. Korinther 13)


Diese jahrtausendealten Worte tönen im ersten Moment für uns heutige Menschen eher unterwürfig. Das ist aber nicht der Ansatz und sie sind auch keine idealisierte Vision – sondern eine Einladung, einander in aller Unvollkommenheit zu lieben. Deshalb eignet sich dieser Text auch heute noch so gut als Lesung bei freien Trauungen oder Ehejubiläen: Er richtet den Blick nicht auf das grosse Versprechen, sondern auf den gemeinsamen Weg – mit Höhen, Tiefen, Wendungen und Wachstum – eben das Leben.

Und vielleicht berühren sie uns gerade deshalb bis heute – weil sie nicht aus der Zeit gefallen sind, sondern damals wie heute mitten ins Leben sprechen.

 

30 Jahre.

Am 26. Mai war unser 30jähriger Hochzeitstag. Man nennt es die Perlenhochzeit. Ich liebe Perlen. Schon immer. Perlen erinnern mich an Schwangerschaft und Geburt. Im Dunkeln wächst etwas Kostbares, Unbeschreibliches, ein Wunder, ein Geschenk.

Am letzten Samstag haben wir dieses Ereignis dann in der Familie mit Kindern, Enkelkindern, Neffen, Nichten, Trauzeugen gefeiert. Es war ein wunderbares Fest. Organisiert durch die Familie. Die damaligen Hochzeitsfotos machten den Abend zu einem gelungenen, fröhlichen Fest, an dem für uns tief berührende Erinnerungen hochkamen und die Jüngeren mit staunenden Augen und schmunzelnd die alten Bilder kommentierten. Welche Freude!

Alles in Allem fragten wir uns aber alle, wo ist die Zeit geblieben? Wie sind die Jahre so schnell vergangen?  Die Jungen gratulierten uns zu «unserer Leistung». Unsere Kinder sind stolz.

Ja, und dann die Frage nach dem Rezept?


Ein Weg.

Dreissig Jahre Ehe – das klingt nach einer Linie. Nach einem durchgehenden Band. Aber so fühlt es sich nicht an. Oh nein, es war kein gerader Weg. Kein gemütlicher und kein müheloser Spaziergang. Eher ein Pfad, der sich mit der Zeit geformt hat.

Manche Strecken waren angenehm und leichtfüssig zu gehen. Andere waren anstrengend und haben geschmerzt. Es gab Zeiten, da gingen wir Seite an Seite, ganz verbunden. Und es gab Zeiten, da schienen wir jede und jeder für sich unterwegs zu sein. Mal sprachlos, mal suchend, mal ganz bei sich.

Aber wir sind immer weitergegangen. Und Immer in die gleiche Richtung. Manchmal langsam. Manchmal im Kreis. Manchmal mit Pausen. Kinder sind dazugekommen. Verantwortung. Arbeit. Alltag. Krankheit. Tod. Verlust. Aber auch Leichtigkeit. Humor. Vertrautheit. Liebe. Lebensfreude. Und ganz oft: Stille, die nicht leer war, sondern voll von Wissen um den anderen.

Eine Beziehung muss nicht vollkommen sein. Aber sie braucht Ehrlichkeit und ganz wichtig Vertrauen. Sie lebt und wächst aus gegenseitigem Respekt und Begegnungen auf Augenhöhe.

Paare, die einander zuhören, sich in Krisen nicht verlieren, einander Raum geben und doch Nähe bewahren, erfahren oft: Es sind nicht die grossen Gesten, die Liebe tragen – sondern die kleinen Rituale im Alltag.

Ein gemeinsamer Café Latte. Ein verzeihendes Wort. Ein Spaziergang in Stille. Oder der Mut, nach einem Streit wieder ins Gespräch zu kommen. Und vielleicht ist das Entscheidende: Nicht wie weit man kommt – sondern dass man bleibt, auch wenn der Weg steinig wird.


Und immer wieder JA

In jungen Jahren gleicht die Liebe oft einem Feuerwerk. Alles ist neu, aufregend, intensiv. Wir kennen alle die Schmetterlinge im Bauch. Mit der Zeit jedoch zeigt sich: Liebe ist kein Dauergefühl, sondern eine Entscheidung. Ein tägliches Ja – manchmal ein leises, manchmal ein trotziges, manchmal ein sehr bewusstes.

Verliebtsein ist der Anfang. Liebe ist das Bleiben. Und das Wiederfinden. Immer wieder.

Denn wer über Jahrzehnte zusammenbleibt, lernt: Liebe ist nichts Statisches. Menschen verändern sich. Lebensphasen wechseln. Und gerade darin liegt die Schönheit: zu entdecken, wie aus Verliebtsein Liebe wird.

Und es geht gar nicht nur um das grosse Versprechen, das JA von damals. Sondern um die vielen kleinen JA im Alltag und im Auf und Ab des Lebens.

Nicht das JA im weissen Kleid. Sondern das JA nach einer durchwachten Nacht. Das JA nach einem Streit, wenn man sich wieder annähert – nicht weil alles geklärt ist, sondern weil die Verbindung wichtiger ist als das letzte Wort. Das JA, wenn man nebeneinandersitzt und schweigt – und trotzdem weiss: Wir gehören zusammen. Das JA, wenn der andere sich verändert – und man ihn neu kennenlernt. Das JA, wenn du trotz Alltag und Stress kurz innehältst und sagst: „Schön, dass du da bist.“ Das JA, wenn man immer wieder das Gespräch sucht.

Diese vielen, stillen JA – sie machen die Liebe nicht lauter, aber tiefer. Sie sagen: Ich bin da. Ich gehe mit. Auch heute. Wieder und wieder.

Vielleicht ist das keine romantische Antwort. Aber eine ehrliche. Und für mich die schönste: Die Liebe kann lebendig bleiben, wenn wir uns bemühen dieses JA im Laufe des Lebens zu wiederholen. Immer wieder.

 

 

Tipp:

Vielleicht ist genau das der Grund, warum der Text aus dem ersten Korintherbrief für mich so stimmig ist und mich berührt. Nicht nur als Lesung bei Trauungen oder Ehejubiläen, sondern als Erinnerung mitten im Alltag:

Dass Liebe mehr ist als Gefühl. Dass sie lebt vom Bleiben. Vom Tragen und Getragenwerden.


Und gerade bei freien Feiern stellt sich oft die Frage: Was verleiht der Zeremonie Tiefe, wenn wir auf religiöse Riten verzichten – aber trotzdem etwas Echtes, Bleibendes sagen wollen?

Ein biblischer Text – wie der aus dem ersten Korintherbrief – kann genau das schenken: einen Resonanzraum. Nicht weil er fromm klingt, sondern weil er ehrlich ist. Weil er nicht in Klischees spricht, sondern in Erfahrungen.

Natürlich kann man auch moderne Zitate, Songs oder poetische Texte wählen. Aber manchmal – wenn man alles Bunte und Laute beiseitelässt – bleibt die Sehnsucht nach etwas, das wirklich trägt. Etwas, das nicht einfach schön klingt, sondern etwas sagt.

Und genau das tun diese alten Worte: Sie verleihen der Feier eine innere Tiefe. Nicht weil sie heilig tun – sondern weil sie erinnern, was heilig sein kann: das gemeinsame Aushalten, Hoffen, Tragen. Tag für Tag. Jahr für Jahr.


 

Lesung aus dem 1. Brief an die Korinther (leicht angepasst durch C.Haller)

Wenn ich in den Sprachen der Menschen redete, hätte aber die Liebe nicht, wäre ich nur eine lärmende Pauke. Und wenn ich prophetisch reden könnte und alle Geheimnisse wüsste und alle Erkenntnis hätte und Berge damit versetzen könnte, hätte aber die Liebe nicht, wäre ich nichts.

Die Liebe ist langmütig, die Liebe ist gütig. Sie ereifert sich nicht, sie prahlt nicht, sie bläht sich nicht auf. Sie handelt nicht ungehörig, sucht nicht ihren Vorteil, lässt sich nicht zum Zorn reizen, trägt das Böse nicht nach. Sie freut sich nicht über das Unrecht, sondern freut sich an der Wahrheit. Sie erträgt alles, glaubt alles, hofft alles, hält allem stand. Die Liebe hört niemals auf. Sie ist stärker als der Tod. Ihre Glut ist feurig wie eine Flamme, so dass auch viele Wasser die Liebe nicht auslöschen und Ströme sie nicht ertränken können.

Für jetzt bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei;

doch am grössten unter ihnen ist die Liebe.

 
 
 

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Gast
02. Juni 2025

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